Wie ist das so bei euch…. in der CsG Kleiderkammer der Flüchtlingserstaufnahmeeinrichtung?   

Die Helfer
Die Helfer

Ein Erlebnisbericht von Sabrina Straub (ehrenamtliche Mitarbeiterin bei CsG )

 

Der Spendenaufruf von CsG für das Erstaufnahmelager Delphi Halle fand unerwartet große Resonanz bei den Neumarktern: in der vergangenen Woche sind hunderte von Kartons und Säcken voller Altkleider und Schuhe gebracht worden und die Helfer waren doppelt fassungslos: vor Freude über die überwältigende Hilfsbereitschaft und vor Sorge über die Lagerkapazitäten und die enorme Arbeit.



Der Umzug in die zwei neuen Räume am vergangenen Dienstag war da ein Glücksmoment, denn der alte Raum war definitiv zu klein und jetzt sorgen zwei Räume für eine übersichtliche Sortierung der Kleidung und eine davon getrennte Lagerung der neu gespendeten Ware. Möglich gemacht hat den Umzug mal wieder das Ergebnis von Neumarkter Mundpropaganda: wer kennt noch wen, der Zeit hat, mit anpacken kann, Regale aufbaut, Kisten schleppt? Viele kommen spontan gern. Und auch einige der Altkleiderspender sehen die Berge an Arbeit und entscheiden: wir packen schnell mit an, wir haben noch ein bisschen Zeit zum Helfen.

Bepackt mit den Kartons und Regalen laufen dutzende von Helfern dann quer durch die Delphi Halle und die Flüchtlinge beobachten teils staunend, teils ungläubig das emsige Treiben. Einige von ihnen fassen neugierig Mut und bieten ihre Hilfe an.

Nach wenigen Stunden ist so alles erledigt und es beginnt die Sortierung: die Kleider werden nach Größen in die bunt gemischten Regale einsortiert, geordnet nach Verwendungszwecken oder Bedarf. Denn in der Delphi Halle leben Menschen, die gerade erst in Neumarkt angekommen sind und hier auch nicht lange bleiben, meistens haben sie außer einer kleinen Tasche mit Habseligkeiten nichts dabei. Sie benötigen dann eine Grundausstattung, angefangen von Unterwäsche über Hosen und Pullovern, Schuhen und Jacken aber auch Gürteln oder Kopftüchern.

Am Donnerstag steht endlich der Echtbetrieb, also die Ausgabezeit an Flüchtlinge an. Vorher wird noch fiebrig aufgeräumt und ausgemistet, denn nicht alle Spenden sind in einem vorzeigbaren Zustand. Grundsatz ist, dass die gespendete Kleidung auch bedenkenlos tragbar ist. Schilder mit „Spielregeln“ in verschiedensten Sprachen und Schriftzeichen werden draußen vor der Tür angebracht und mit Tischen ein Empfangsbereich abgezäunt.  Zugang zu den Kleidern haben nur die Ehrenamtlichen, denn schon beim Umzug wurde schnell klar, dass die Menschen hier vor dem Nichts standen und an den Anblick von Überfluss nicht gewöhnt sind.

Und plötzlich steht hoher Besuch in der Kleiderkammer, die Regierung der Oberpfalz macht sich ein Bild vor Ort und fragt nach. Sie bieten Hilfe an, geben Erfahrungen aus anderen Kleiderkammern weiter und sind erstaunt über das bereits gut funktionierende Spendenmanagement von CsG. Auch die ausgehängten „Spielregeln“ werden gelobt; wer sich daran nicht halte, werde Konsequenzen spüren. Der Besuch vermittelt ein Gefühl von Interesse und Rückhalt und Hilfe.

Kurz vor 14 Uhr wird es draußen vor der Tür laut, die Ausgabestunden der Kleiderkammer sind ein Highlight für die Flüchtlinge. Drei sowohl arabisch als auch deutsch sprechende Ehrenamtliche von CsG stehen an den Empfangstischen, während draußen eine Mitarbeiterin Namen notiert, Gruppen bildet und den Einlass in die Kleiderkammer regelt.

In den Regalen wuseln schon die anderen Helferinnen und Helfer und holen auf Zuruf der Dolmetscherinnen Hosen, Turnschuhe, Pullover.

Eine Frau braucht eine Strickjacke, mit der sie diskret ihr Neugeborenes stillen kann. Ein Mann trägt Flipflops, die ihm fünf Nummern zu klein sind, er bittet um geschlossene Schuhe. Ein Baby benötigt mehrere Bodys, es spuckt recht oft. Jogginghosen werden oft gewünscht, Schuhe und Kinderjacken. Die ausgegebenen Jeanshosen für Männer sind meist zu groß, aber besser noch als die kurzen Shorts, die von der Flucht völlig verschlissen sind. Gruppe für Gruppe tritt ein, manche sind leise und äußern beschämt ihren Bedarf, andere sind laut und haben genaue Vorstellungen, die sie gestikulierend umgesetzt haben wollen. Kleine Kinder werden schlafend auf den Tischen abgelegt, während ihre Eltern Kleidung anprobieren. Eine Helferin schaukelt zärtlich ein Neugeborenes. Ein Familienvater sucht für seine Frau und die Töchter Pullover aus. Ein Zwölfjähriger betrachtet minutenlang seine neuen Gummistiefel, seine Füße tragen heute zum ersten Mal im Leben Socken.

In einer kurzen Pause im Hof sieht man erschöpfte, aber zufriedene Gesichter der Helferinnen und Helfer. Der Start in den ersten Wochen war sehr schwer, aber es hat funktioniert. Dank vielen fleißigen Händen, dank Menschen, die zu geben bereit sind oder etwas ihrer Zeit gerne herschenken.

Und dank einiger CsG´ler, die von Anfang an dabei und jeden Tag vor Ort sind. Sie haben sich vorgenommen, hier an Ort und Stelle unkompliziert zu helfen, haben sich ein System ausgedacht und erstmal mutig die Verantwortung übernommen. Jetzt, wo alles langsam richtig gut funktioniert, merkt man nur noch an den während der Pause hastig gerauchten Zigaretten in der zitternden Hand , wie viel Druck sich von ihnen jetzt endlich auf vielen Schultern verteilen kann.

Hilfe wird natürlich noch immer dringend benötigt: Details dazu gibt es auf der Homepage von „Chancen statt Grenzen“.

 

 

Sabrina Straub für CsG e. V.    

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Kommentare: 2
  • #1

    Andrea (Freitag, 11 September 2015 22:54)

    Neumarkt kann stolz auf Euch sein!

  • #2

    Sylvia - CsG (Montag, 21 September 2015 15:33)

    Danke Andrea! Wir sind stolz auf Neumarkt :)